Die besten Bücher sind fast immer dünn und klein und voller Essenz. Genau das ist hier der Fall.

David Servan-Schreiber schreibt über seinen Kampf gegen den Krebs. Es ist ein Buch über sich und die Welt und wie man mit ihr umgeht bis zum Tod. Er selbst hatte mit den Büchern „Die neue Medizin der Emotionen“ und „Das Antikrebs-Buch“ vorher vielen Menschen geholfen. Dann starb er 2011 an Krebs. Er hatte 19 Jahre mit der Krankheit gelebt.

Servan-Schreiber schildert seinen Umgang mit dem Erfolg seiner Bücher. „Die Beweise von Interesse und Anerkennung, die ich danach erhielt, haben mich so glücklich gemacht, dass ich mich mit Feuereifer darauf stürzte… Unzählige Male wechselte ich die Zeitzonen, und man weiß, dass das dem Immunsystem schadet…. Die massive Störung meiner biologischen Rhythmen erreichte in dem Jahr vor meinem Rückfall ihren Höhepunkt…. In den Jahren 2009 und 2010 flog ich mindestens einmal im Monat über den Atlantik, und ein- oder zweimal pro Woche war ich in Frankreich oder Europa unterwegs. Das war zuviel. Schließlich war ich vollkommen erschöpft. Und dann kehrte mein Tumor zurück.“

Nach der Rückkehr der Krankheit lebte er noch dreizehn Monate.

In dieser Zeit „schrieb“ er dieses Buch.

„Wenige Tage vor seinem Tod, als seine Kräfte schwanden, warf er noch einen Blick auf die französische Bestsellerliste, auf der sein Buch ganz oben stand. Das vermittelte ihm das Gefühl, dem Krebs in einer sehr wichtigen Weise die Stirn geboten zu haben: Er hatte nicht zugelassen, dass die Krankheit ihn daran hinderte, nützlich zu sein, zu helfen, das Leiden anderer Menschen zu lindern.“

So schreibt sein Bruder im Nachwort zur deutschen Ausgabe dieses Buches, das im Verlag Antje Kunstmann erschienen ist.

Der Philosoph Epiktet hat ein ähnlich schmales Buch geschrieben, das bis heute vielen Menschen als Hilfe durch das Leben dient.

Dort sagt Epiktet: „Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen die Menschen. So ist z.B. der Tod nichts Schreckliches, sonst wäre er auch dem Sokrates so erschienen; sondern die Meinung von dem Tod, daß er etwas Schreckliches sei, das ist das Schreckliche.“

Und er schreibt weiter: „Tod und Verbannung und Alles, was als schrecklich erscheint, soll dir täglich vor Augen schweben, am meisten aber der Tod; so wirst du nie weder an etwas Gemeines denken, noch etwas allzuheftig begehren.“

Es gibt ein paar einfache Wahrheiten auf dieser Welt.

Wir müssen alle sterben. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und das Sterben haben alle Menschen vor uns geschafft.

Und doch reicht dies nicht. Solange man lebt entscheidet man selbst, wie man die Dinge bewertet, was man tut in den Grenzen des persönlich Möglichen und wie man mit seiner Lebenszeit umgeht.

Es ist eine der Paradoxien des Schicksals, dass ein Arzt, der ein Antikrebsbuch schreibt, an Krebs mit 50 stirbt.

In meinen Augen ist die Analyse von Servan-Schreiber klar: Weniger ist mehr und Erfolg lenkt vom Wesentlichen ab.

Das ist in meinen Augen ein klares Fazit im Angesicht des Todes.

Und das ist für mich der Grund, dieses Büchlein neben Epiktet in mein Regal zu stellen. Eine größere Ehre kann ich ihm nicht zukommen lassen.

David Servan-Schreiber

Man sagt sich mehr als einmal Lebewohl

Übersetzt von Ursel Schäfer

ISBN 978-3-88897-751-0